Hopfen und Malz – Gott erhalt’s! Diese beiden Zutaten in Verbindung mit Wasser und Hefe sollen beim 150-jährigen Gründungsfest der FFW Neukirchen b. Hl. Blut als süffiges Festbier der Brauerei Mühlbauer zum Ausschank kommen. Mit Vorfreude auf das bevorstehende Vereinsjubiläum vom 28. bis 31. Juli, zu dem auch die gesamte Bevölkerung eingeladen ist, trafen sich die Mitglieder des Jubelvereins samt Honoratioren und Festdamen sowie eine Delegation des Patenvereins Rittsteig am Freitagabend zur Bierprobe.

Mit dem Bus ging es nach Arnschwang, um das Ergebnis jahrhundertealter Brautradition zu verkosten. Dort wurden die Feuerwehrleute von Juniorchef Stephan und Brauereibesitzer Peter Mühlbauer mit ihren Ehefrauen bereits erwartet. Zu Beginn der Veranstaltung servierten die Gastgeber ein schmackhaftes Essen – natürlich zum auserlesenen Originalfestbier. Der Seniorchef gab Instruktionen zur richtigen Bierverkostung, bei der neben Geruchs- und Geschmackssinn auch das Auge eine Rolle spielt, um das Ergebnis des Brauprozesses zu beurteilen. Beim Geruchssinn werden Hopfengabe, Hefen und deren Gärungsnebenprodukte beurteilt; dabei unterscheidet man primäre und sekundäre Gerüche. Mit dem Geschmackssinn wird der „Körper“ des Bieres bewertet: die Rezenz („Spritzigkeit“), Säure- und Zuckergehalt sowie Alkohol und Bitterstoffe aus dem Hopfen. Peter Mühlbauer erläuterte den Unterschied vom „Hellen“ zum Festbier und gab einen kurzen Einblick in die Traditionsbrauerei. Festleiter Peter Staudacher von der FFW Neukirchen b. Hl. Blut wähnte sich in bester Gesellschaft mit dem Schirmherrn Markus Müller, Festmutter Ulrike Bachl, Festbraut Nina Hornig, Ehrenschirmherrn Josef Berlinger und den übrigen Gästen. Er durchleuchtete eine Bierprobe aus dem 15. Jahrhundert, als man sich angeblich mit Hilfe der Lederhose einer kuriosen und recht anschaulichen Methode bediente, um die Einhaltung des Reinheitsgebots zu überprüfen. Dazu benötigte man eine naturbelassene Bierbank aus Eichenholz. Der Festleiter forderte zwei junge Männer in Lederhose auf, das Geschehen nachzuahmen, ohne jedoch die erste gezapfte Maß des frisch gebrauten Bieres gleichmäßig über die Holzbank zu gießen, wie die Brauer es früher taten. Während dieser Zeit reichte man den Burschen reichlich Speis und Trank und wartete geduldig, bis sich das Leder im Hosenboden mit dem Bier vollsog und es in die Lederhosen hineintrocknete. Danach standen alle Burschen gleichzeitig auf. Blieb die Bank nicht am Boden stehen, sondern ging sie mit in die Höhe, weil sie den Burschen fest am „Hintern klebte (!)“, so hatte der Brauer nicht an Malz gespart, und der Sud war gelungen. Es befand sich genügend klebriger Malzzucker im Bier. Der Brauer hatte die Prüfung bestanden, und das Bier durfte ausgeschenkt und verkauft werden. Mit dem technischen Fortschritt und den daraus resultierenden modernen Analyseverfahren verschwand ab dem 17. Jahrhundert zunehmend die Prüfmethode mit dem Hosenboden und geriet in Vergessenheit. Zur zünftigen Musik der Original-Neukirchner-Spitzbuam floss der goldgelbe Gerstensaft in die Kehlen der Neukirchner Gäste und so konnte sich jeder der Verantwortlichen von dem hervorragenden Geschmack des Mühlbauer-Festbieres überzeugen. Danach waren sich alle einig: das Fest kann kommen.
Pressebericht: Helga Brandl