“What a wonderful World” lautete das Motto des Benefizkonzertes zum 150. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Neukirchen b. Hl. Blut, dessen Erlös ihrer Jugendarbeit zufließen wird. “What a wonderful Concert” möchte man im Rückblick auf dieses außerordentlich stimmige Erlebnis hinzufügen. Und weiter: Wenn die eigentlichen Jubiläumsfeierlichkeiten vom 28. bis 31. Juli 2017 mit einem derart fulminanten Appetitmacher aufwarten, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Es mögen wohl an die 400 Besucher gewesen sein, die Festleiter Peter Staudacher und Bürgermeister sowie Landratstellvertreter Markus Müller begrüßen durften, darunter etliche Ehrengäste aus der Kommune, der Kirche und dem Feuerwehr- und Polizeiwesen – ein untrügliches Zeichen dafür, welch hohen Stellenwert die Neukirchner Feuerwehr im Gefüge der Marktgemeinde einnimmt. Dazu noch ein klares Indiz dafür, dass der Festleitung mit der Einladung des “Polizeiorchester Bayern” ein wirklich großer Wurf gelungen ist.

Orchester mit 46 Musikern

“Ein ganz besonderer Ohrenschmaus” sei zu erwarten, so der Bürgermeister – und er sollte in jeder Hinsicht Recht behalten. Das Polizeiorchester Bayern – das sei zur Erläuterung, bzw. Erklärung der umwerfend guten Präsentation an diesem Abend angeführt, ist das professionelle Blasorchester der Bayerischen Polizei (das einzige), und besteht aus z. Zt. 46 studierten BerufsmusikerInnen.

Sein sehr hohes konzertantes Niveau erklärt sich schon einmal durch die umfassende sinfonische Besetzung und nicht zuletzt aus der profunden Führung durch einen leibhaften Professor. Prof. Johann Mösenbichler, auf der ganzen Welt gefragter Gastdirigent, Musikpädagoge und Juror bei internationalen Wettbewerben ist Universitätslehrer an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz. In seinem Heimatland Österreich wird er gerne auch “Professor Blasmusik” genannt.

Dabei hat der hoch aufgeschossene, elegante Dirigent so gar nichts “professorales” an sich. Mit seinem dynamischen, werkbezogenen Dirigierstil scheint er gleichzeitig kraftvoller “Mann am Pult” zu sein, wie er offensichtlich auch ein einfühlsamer Motivator seiner Damen und Herren ist.

“Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an!” Getreu dem Bonmot begann dann das gut zweistündige Konzert gleich mit einem Paukenschlag: Vom französischen Meister orchestraler Klarheit und verbindender Profile, Paul Dukas, stammt die klangopulente Fanfare aus seiner Tanzdichtung “La Péri”. Zusammen mit der “Akademischen Festouvertüre” op. 80 von Johannes Brahms stellte Maestro Mösenbichler seine Kapelle wahrhaft “sinfonisch” vor.

Nach der Pause nach Amerika

Mit einem traditionellen Konzertmarsch, “Mein Leben” von Manfred Hechblaickner begann die zweite Halbzeit – schneidig und tadellos ausgeführt. Ein Geburtstagsgruß an den Polizei-Dienstherrn, Staatsminister Joachim Herrmann.

Auf dem Programmzettel war hernach ein echtes Gustostück angekündigt, das einen “amerikanischen zweiten Teil” einleitete. Der wohl fleißigste unter den US-Komponisten für Blasmusik, Alfred Reed, schuf das dreisätzige “Concertino für Marimba und Blasorchester”. Und die aus Japan stammende Schlagwerk-Meisterin Elina Goto verzauberte damit die gesamte Zuhörerschaft. Meister Mösenbichler legte seiner Solistin dazu das herrlich differenziert und sensibel agierende Orchester förmlich zu Füßen. Man hätte wohl die berühmte Stecknadel fallen hören, als diese besonders warmen Klänge des Holz-Xylophons zuerst eine seelenvolle Nocturne, dann als Hommage an Fernost ein liebenswertes Scherzetto und schließlich eine Toccata (im Boogie-Style!) ausmalten – wobei sie hier noch von der BigBand-Like aufspielenden Kapelle “gepimpt” wurde. Der Applaus schien hier kaum enden zu wollen. Launig bemerkte der famose Moderator des Abends, Tenorsaxophonist Peter Seufert: “Die Japaner sind halt den Umgang mit Stäben gewohnt!” “Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die wichtig und wunderbar sind”, sagen die Worte des Jahrhundert-Songs “What a wonderful World”, der durch den großartigen Louis Armstrong sicherlich jeder und jedem präsent ist. In eben solch einem wunderbaren Zusammenspiel zwischen dem fülligen und überwältigend schönen Orchesterarrangements und einer zu Herzen gehenden Alt-Sax-Chorusimprovisation wirkte er wie ein sympathisches Bekenntnis zur Einfachheit und Entschleunigung.

Dass man eine Fusion aus brasilianischer Samba und Cool-Jazz auch mit den opulenten Mitteln eines Blasorchesters dezent und doch glaubhaft spielen kann, zeigte das kultige “Wave” von der brasilianischen Bossa-Ikone Antonio Carlos Jobim. Das Publikum lernte dabei den gut aufgelegten Moderator Peter Seufert jetzt als kreativ und groovy improvisierenden Tenorsaxophonisten kennen. Die “kleine musikalische Weltreise” fand zielgerichtet ihr Ende in einem mitreißenden Medley der bekanntesten Nummern der großen Ära des BigBand-Swing.

Und damit noch nicht Schluss. Die Zugabe: “Just a closer walk to thee”. Wenn die kleinen Dixie-Bands zum Funeral aufmarschieren, dann ist das – erst Trauermusik und dann, das pralle Leben. Und das mit 46 Musikern! Ein humoriger Abschluss eines tollen Konzertabends.

Bericht und Bilder zum Benefizukonzert am 18.03.2017, Johann Reitmeier